Empowerment

Selbstvertreter*innen stellen sich vor

Selbstvertretung lebt von Mitbestimmung und Diversität. Eine bunte Vielfalt spiegelt sich in den engagierten Selbstvertreter*innen unseres bundesweiten Netzwerks wider. Gerade sie macht uns stark! Denn es sind die vielfältigen Fähigkeiten, Kompetenzen, Blickwinkel, Erfahrungen und Ideen, die unsere Zusammenarbeit bereichern. Jede*r ist bei uns willkommen, jede*r kann sich einbringen.

Was treibt unsere Selbstvertreter*innen an? Welche Themen sind ihnen besonders wichtig? Lesen Sie selbst.

Mohammad

„Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Ich bin Mohammad Jolo und ich bin in Syrien geboren. Ich bin 37 Jahre alt, verheiratet und habe vier Kinder. Mit fünf Jahren habe ich mein Sehvermögen durch einen Unfall verloren. Ich habe Philosophie studiert und als Musiker in Syrien gearbeitet. Seit 2015 lebe ich mit meiner Familie in Deutschland. Seit 2016 bin ich in verschiedenen Selbsthilfegruppen von Menschen mit Behinderung aktiv. Unser Hauptziel ist, uns in jeder Hinsicht selbst zu verwirklichen. Wir versuchen die Fähigkeiten jedes Einzelnen von uns zu entwickeln, zu stärken und die Lebenssituation im Allgemeinen und in der Gesellschaft zu verbessern.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Ich möchte die öffentliche und gesellschaftliche Wahrnehmung von Menschen mit Behinderung positiv verändern. Meiner Beobachtung nach werden Menschen mit Behinderungen häufig von Menschen ohne Behinderung bemitleidet. Ihre Fähigkeiten und ihr Wille ein normales, selbstbestimmtes und gleichberechtigtes Leben zu führen, werden dabei oft übersehen. Unsere Gruppe möchte Menschen mit Behinderung stärken und selbstbewusst machen, damit wir uns gemeinsam für einen positiven Wandel einsetzen können.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Besonders wichtig ist mir die Erkenntnis, dass jeder Mensch Wunder in der Gesellschaft bewirken kann, egal ob finanziell, sozial oder pädagogisch. Das Wichtigste ist, dass man nicht tatenlos zuschaut und die Gesellschaft aktiv mitgestaltet.

„Gemeinsam können wir Wunder schaffen“

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Mein Name ist Farida Aljalek, ich bin 1953 in Syrien/Aleppo geboren. Ich bin Mutter von drei Kindern und Großmutter von sechs Enkelkindern. Ich habe Mathematik auf Lehramt studiert und war 25 Jahre Mathematiklehrerin an Schulen in Aleppo. Nach meiner Lehrtätigkeit habe ich ehrenamtlich als Direktorin der Raja Charité für Menschen mit kognitiven und körperlichen Behinderungen gearbeitet. Außerdem war ich Mitglied der Syrischen Stiftung für Paralympische Spiele und Mitglied des Kuratoriums der Syrischen Paralympics.

Es geht in dieser Gruppe um meinen Sohn Yasser Sabouni. Er hat Down Syndrom. Yasser ist ein Mensch mit besonderen Fähigkeiten. Er war mehrere Jahre in Folge Nationalschwimm- und Radfahrmeister der Republik Syrien:

2015: Goldmedaille in der Schwimm-Weltmeisterschaft in Los Angeles/USA;

2014: Schwimm- und Radfahrmeister in Kairo/Ägypten;

2013: Schwimmregionalmeister für Nordafrika und den Nahen Osten; Gold- und Silbermedaille Rabat Marokko;

2010: Radfahrmeister und Schwimmregionalmeister in Syrien; Gold in der Disziplin Schmetterling und Freischwimmen.

Die Umstände des Krieges in Syrien haben uns gezwungen aus unserer Heimat zu fliehen.

Wir sind in Deutschland angekommen, wo wir Sicherheit und Frieden gefunden haben und ein gutes Leben beginnen können.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit der Gruppe, um Freude im Leben der Menschen mit Behinderungen und ihre Familien zu finden.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Ich würde mich freuen, meine Erfahrungen in den Bereichen soziale Aktivitäten für Menschen mit Behinderung, Sport, Ehrenamt und Unterhaltung zu teilen.

Farida

Anas

„Only Those Who Have no Dreams & Goals are Handicapped“

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Anas Alhakim ist mein Name. Ich bin 29 Jahre alt und bin als Student im Jahr 2013 nach Deutschland gekommen. Ich studiere Informatik in Berlin und arbeite nebenbei als Programmierer. Ich bin auch in 3 Sprachen als Studienberater für internationale Studierende ehrenamtlich tätig.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Um Erfahrungen und Infos auszutauschen.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Offene Debatten bzw. Diskussionen und Aufklärung zum Thema Behinderung.

Inas

„Wenn du eine schwierige Phase deines Lebens durchlebst, geh daraus als Held und nicht als Opfer hervor.“

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Mein Name ist Inas Sharif, und ich bin 33 Jahre alt. Ich habe Anglistik und Englische Literatur an der Universität Damaskus studiert. Danach habe ich vier Jahre in Damaskus und sechs Jahre in Kuwait als Englischlehrerin gearbeitet. 2017 bin ich nach Deutschland gekommen und lebe seitdem in Hamburg. Ich habe einen 7-jährigen autistischen Sohn, der in mir den Wunsch geweckt hat, mehr über Autismus zu erfahren und darüber wie man mit Betroffenen kommunizieren kann. Ich nehme ehrenamtlich an einem einjährigen Projekt teil, um Menschen mit besonderem Schutzbedarf zu unterstützen. Ich habe das Sprachniveau C1 bestanden und möchte sehr gerne ein Studium im Bereich der Sozialen Arbeit beginnen und anschließend als Sozialarbeiterin tätig sein.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Als ich nach Deutschland kam, wusste ich nicht viel über das Leben in Deutschland und über die Rechte von Menschen mit Behinderung. Ich traf auf Menschen, die mich unterstützt haben. Ich möchte so viel wie möglich dazu beitragen, dass sich die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung verbessert.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Das Bewusstsein und Wissen für Autismus zu schärfen ist für mich das wichtigste Thema und liegt mir sehr am Herzen. Viele Menschen wissen nicht, was Autismus ist. Mir sind Menschen begegnet, die mich und meinen Sohn mit Erstaunen betrachtet haben, wenn mein Sohn sich auf seine Art und Weise mitteilt oder aufregt (springen, schreien, etc.). Ich möchte, dass jede(r) erkennt, dass die Bedürfnisse meines Sohnes genauso so ernst und wichtig zu nehmen sind, wie unser aller Bedürfnisse.

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Ich bin Adla Hussein und ich bin in Shekhan, der jesidischen Region des Iraq, geboren. Ich bin 40 Jahre alt, ledig. Ich bin das fünfte von sieben Kindern.

Als ich zwei Jahre war, bekam ich eine schwere Infektionskrankheit und konnte danach nicht mehr laufen. Obwohl meine Eltern alles versucht haben, habe ich meine Gehfähigkeit nicht wiedererlangt.

Wir wohnten auf dem Land 15 Kilometer von der Schule entfernt und es gab keine geeigneten Transportmöglichkeiten. Deswegen konnte ich im Irak keine Schule besuchen und habe seit dem 18. Lebensjahr meine Eltern gepflegt.

Seit Juli 2016 lebe ich in Deutschland. Trotz der schrecklichen Flucht und den strukturellen Herausforderungen im Kontext meiner Behinderung habe ich hier in Regensburg ein neues Leben angefangen. Seit April 2018 habe ich die Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Ich hoffe, dass ich bald das Sprachniveau B1 erreichen werde und danach einen Ausbildungsplatz als Näherin beginnen kann.

Ich bin aktiv in verschiedenen Selbsthilfegruppen mit und ohne Behinderung. Meine Hauptziele sind, meine Erfahrungen und Kenntnisse an geflüchtete Menschen weiterzugeben.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Ich möchte gerne helfen und das gesellschaftliche Bild über Menschen mit Behinderung positiv verändern. Als ich nach Deutschland kam, haben mich viele Menschen unterstützt. Auch ich möchte nun anderen Menschen helfen.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Besonders wichtig sind mir soziale Aktivitäten und zusammen Ideen zu entwickeln.

Adla

Abir

„Du wirst morgen sein was du heute denkst.“

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Ich bin Abir Abdulnour aus Syrien und bin in dieser Gruppe die Stimme für meine Tochter, die sich nicht in Worten ausdrücken kann. Meine Tochter ist 13 Jahre alt und hat Autismus.

Ich habe Sozialwissenschaften (Diplom) und Soziologie (Master) studiert und währenddessen als Dozentin an der Universität gearbeitet. 2014 kamen meine Tochter und ich nach Deutschland und ich lernte ein Jahr lang Deutsch.

Im BFD (Bundesfreiwilligendienst) habe ich in einer Frauenorganisation namens Flaks e.V.  mitgearbeitet. Die Organisation arbeitet mit geflüchteten Migrant*innen. Danach war ich drei Jahre als Projektmanagerin in einer Organisation namens Dolle Deerns.e.V. tätig, die mit Frauen in Flüchtlingsunterkünften arbeitet. In den drei Jahren habe ich eine Initiative mit dem Namen Be. Perla aufgebaut. Die Initiative zielt darauf ab, Familien von Menschen mit Behinderung in Hamburg zu unterstützen, mit Organisationen und Projekten in Kontakt zu setzen, mit Übersetzer*innen zu versorgen und sie bei ihren ersten Schritten in Deutschland zu begleiten. Innerhalb von 3 Jahren wurden 30 Familien unterstützt. Nachdem das Dolle Deerns Projekt abgeschlossen war, schloss ich mich in Hamburg einem neuen Verein „Leben mit Behinderung“ an und unterstütze im Rahmen des Projekts „We are Family“ Familienangehörige von Menschen mit Behinderung.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Während meiner Arbeit bemerkte ich, dass sich die Bedürfnisse dieser Familien nicht viel von den Bedürfnissen und Schwierigkeiten unterschieden, die meine Familie nach Ankunft in Deutschland hatte. Ich möchte diese Familien daher unterstützen, ihre Stimme sein, und nicht zuletzt auch die Stimme meiner Tochter.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Ich engagiere mich als Selbstvertreterin, um Menschen mit Behinderung und Fluchtgeschichte über ihre Rechte und Leistungsansprüche zu informieren, für Gleichheit, Akzeptanz und Wertschätzung einzutreten sowie um Diskriminierung entgegenzuwirken.

„Auch schwierige Lebenssituationen sollten wir erst einmal annehmen. Wer weiß wozu sie gut sein werden.“

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Mein Name ist Ali Alalawi. Ich komme aus Manbij, östlich von Aleppo in Syrien, bin 41 Jahre alt und verheiratet. Meine Schulbildung habe ich mit dem Abitur abgeschlossen; das Studium konnte ich leider aus finanziellen Gründen nicht weiterführen. Beruflich habe ich auf der LKW-Route drei Jahre in Dubai meinen Lebensunterhalt verdient und war anschließend zehn Jahre in der Stein- und Fliesenmalerei im Libanon tätig.

Meine Situation wurde durch den Krieg in Syrien und Libanon schwierig und ich musste 2015 fliehen. Zuerst habe ich mich drei Wochen in der Türkei aufgehalten, danach ging es nach Bulgarien, wo ich drei Monate bleiben musste. Seit September 2015 bin ich in Deutschland und habe inzwischen erfolgreich das Sprachlevel B2 erreicht.

Ich leide an einer gefährlichen Blaseninfektion und Diabetes, muss jeden Tag Insulin spritzen und wurde mehrfach operiert. Einiges ging bei den Operationen schief. Aus diesem Grund habe ich heute einen Behindertenausweis.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Lange Zeit habe ich mich ehrenamtlich in Deutschland engagiert, indem ich in der Kirche und mit Menschen mit Behinderung gearbeitet habe. Ich habe die Freude an dem Ehrenamt entdeckt und will dies nicht mehr missen. Ich möchte ein aktives Mitglied der Gruppe der Selbstvertreter*innen sein, um zu sehen, wo und wie ich unterstützen kann.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

Ich finde es gut, wenn Menschen mit Behinderung für sich selbst sprechen. Besonders interessiert mich, welche Gesetze für uns in Deutschland gelten, welche Leistungsansprüche wir haben und wie die Bescheide, die wir per Post bekommen zu verstehen sind. Fortbildungen in diesen Bereichen würde ich begrüßen und gerne daran teilnehmen.

Ali Alalawi

Rezan Shekh Muslim

„Wir sind alle gleich – nach unseren Mitteln!"

Wer bist du? Was magst du über dich erzählen?

Mein Name ist Rezan Shekh Muslim, bekannt als Rezan Saleh Ibo. Ich bin 1994 in der Stadt Kobanî im Norden Syriens geboren. Mit sieben Jahren zog ich nach Aleppo und absolvierte dort an einer Schule für Menschen mit Sehbehinderung meinen Abschluss. Durch den Syrienkrieg musste ich im Jahr 2011 zurück nach Kobanî und war dort in einer friedlichen Bewegung aktiv, mit dem Ziel die Situation aller Syrer*innen im Allgemeinen und des kurdischen Volkes im Besonderen zu verbessern. Ich habe mich auch dem Hêvî-Kulturverein angeschlossen und dort u.a. Brailleschrift unterrichtet.

Im Jahre 2014 musste ich aus Kobanî vor den IS-Angriffen fliehen und habe bis Juni 2015 in einer Flüchtlingsunterkunft in der Türkei gelebt. Im Juli 2015 bin ich in Passau/Deutschland angekommen. Nach der Erstaufnahme wurde ich nach Wülfrath in der Nähe von Wuppertal zugeteilt, wo ich bis heute wohne.

Ich habe das Sprachlevel B1 erreicht und mir die deutsche Brailleschrift angeeignet, die ich darüber hinaus auch in Kurdisch, Arabisch und Englisch beherrsche (Lesen und Schreiben). Im Jahr 2017 habe ich zu diesem Thema auch eine Studie zum Schreiben von Kurdisch in lateinischen Schriftzeichen nach der Braille-Methode durchgeführt. Darüber hinaus habe ich in den letzten Jahren auf Arabisch mehrere Artikel über blinde und sehbehinderte Menschen geschrieben und wie ihre gesellschaftliche Teilhabe verbessert werden kann. Diese Artikel wurden von mehreren Zeitschriften im Web veröffentlicht.

Warum engagierst du dich als Selbstvertreter*in?

Meiner Meinung nach ist dies ein guter Weg um meine Ideen und Erfahrungen weiterzugeben und mich aktiv für Inklusion einzusetzen. Außerdem bietet die Gruppe eine starke Plattform um das Thema Behinderung in die Mitte der Gesellschaft zu tragen und die Relevanz von Inklusion deutlich zu machen.

Welchen Themen liegen dir besonders am Herzen?

·         Inklusion

·         Arbeitsmarktzugang für Menschen mit Behinderung

·         Mit gleichgesinnten die Rechte und Interessen von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft verankern