Empowerment von Geflüchteten mit Behinderung

Einleitung: Empowerment von Geflüchteten mit Behinderung

Geflüchtete Menschen mit Behinderung zu befähigen, sich und ihre Interessen angemessen zu vertreten, ist ein zentrales Anliegen von Handicap International. Dieses Kapitel enthält ein umfangreiches Paket mit Anleitungen, Begriffsdefinitionen und Initiativen zu Selbsthilfe und Selbstvertretung. Außerdem stellt es die Praxiserfahrungen von Empowerment Now vor – ein im deutschen Sprachraum einzigartiges Projekt von Handicap International zur Selbstermächtigung von Geflüchteten mit Behinderung.

Video: "Inklusion bedeutet für mich ...!"

Inklusion ist oft ein abstraktes Konstrukt – deshalb erzählen die Selbstvertreter*innen von Empowerment Now in diesem kurzen und bewegenden Video, was Inklusion für sie heißt:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

FAQ Selbsthilfe, Empowerment und Selbstvertretung

Begriffserklärung Selbsthilfe, Selbstvertretung und Empowerment

Die Begriffe „Selbsthilfe“, „Selbstvertretung“ und „Empowerment“ werden manchmal synonym verwendet, ihre ist Bedeutung jedoch unterschiedlich.

1. Empowerment Now – Selbstvertretung von Geflüchteten mit Behinderung

Das Ziel des Projektes Empowerment Now ist der Aufbau und die Konsolidierung eines Netzwerks von Selbstvertretungen geflüchteter Menschen mit Behinderung und ihrer Angehörigen. Empowerment Now ist ein Teilprojekt von Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung. Dazu gehört:

  • die Organisation regionaler und überregionaler Netzwerktreffen
  • die Entwicklung von Projekten zur Stärkung der Selbstbestimmung und Mitsprache
  • die Schulung von Selbstvertreter*innen in Seminaren und Workshops, damit sie sich als Expert*innen in eigener Sache für ihre Interessen einsetzen können – vor Ort, aber auch bundesweit

Empowerment Now ist seit 2020 aktiv. Mittel der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration unterstützen das Projekt finanziell.

2. Wozu eine Checkliste?

Crossroads möchte die Erfahrungen aus Empowerment-Maßnahmen mit solchen Einrichtungen teilen, die an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung arbeiten. Die Erfahrungen entstammen der Praxis und sind in die vorliegende Checkliste eingegangen. Die Checkliste ist für die Einrichtungen eine erste Orientierung in der Frage: Welche Rahmenbedingungen und Herausforderungen müssen Beratende bei Empowerment-Maßnahmen mitdenken, damit sie

  • die Beteiligung und Einbindung von Geflüchteten mit Behinderung und ihre Angehörigen in ihrer Arbeit stärker verankern und
  • Geflüchtete mit Behinderung und ihre Angehörigen beim Aufbau von Selbstvertretungsstrukturen unterstützen können.

Die Checkliste ist die vorläufige Auswertung und Reflexion der Projekterfahrungen. Sie bildet den Erkenntnisstand des ersten Projektjahres ab, das Anfang Januar 2020 begann und Ende Dezember desselben Jahres endete.

Im Frühjahr 2020 hat die Corona-Pandemie begonnen, deshalb stammen die skizzierten Erfahrungen zumeist aus digital angepassten Formaten. Eine Projektevaluierung und eine Dokumentation zur partizipativen Projektentwicklung und -durchführung stellt Crossroads am Projektende als Handreichung bereit.

3. Zugrunde liegende Annahmen

Partizipation als Voraussetzung für Inklusion

Das Leitbild der UN-Behindertenrechtskonvention ist Inklusion. Inklusion ist ein Prozess, durch den uns gelebte Vielfalt selbstverständlich werden soll – auch im Hinblick auf Behinderung. Alle Menschen sollen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

„Nichts über uns ohne uns!“ – das ist ein Grundsatz der UN-Behindertenrechtskonvention. Menschen mit Behinderung müssen konsequent in alle Entscheidungen und Prozesse, die mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einhergehen, eingebunden werden. Wie weitreichend sie die Entscheidungen und Prozesse beeinflussen können, entscheidet darüber, ob Menschen mit Behinderung echte Partizipation oder lediglich eine „Beteiligung light“ erleben werden. Nur wenn Mitwirkende einen Prozess und sein Ergebnis beeinflussen können, wenn ihre Meinung in den Entscheidungsprozess einfließt, können wir von echter Partizipation sprechen.

Empowerment zur Stärkung individueller und kollektiver Prozesse der Selbstbestimmung

Empowerment ist ein Kontinuum, das sich zwischen zwei Ebenen bewegt. Die erste ist das Empowerment im Sinne eines individuellen Prozesses hin zu Selbstermächtigung und -bestimmung, die beide Voraussetzung für gesellschaftliche und politische Teilhabe sind. Die zweite Ebene ist das Empowerment im Sinne einer kollektiven und öffentlichen Repräsentation und Interessensvertretung. Dabei geht es um:

  • gesellschaftliche und politische Anerkennung
  • Interessenvertretung
  • den Aufbau von Wissen und Fähigkeiten, um individuelle Erfahrungen in eine kollektive und öffentliche Repräsentation zu übertragen

Zweifelsohne ist für Fachkräfte der Behinderten- und Flüchtlingshilfe der Auftrag des Empowerments damit verbunden, paternalistische Verhaltensmuster und Einstellungen zu reflektieren und abzulegen. Ihnen nämlich liegt die Auffassung zugrunde, dass Fachkräfte besser als Betroffene wissen, was für Betroffene gut ist; schließlich hätten die Fachkräfte eine berufliche Qualifikation. Dagegen ist das Empowerment ein Weg, herauszufinden,

  • was Menschen erreichen wollen und
  • wie sie bei der Zielerreichung unterstützt werden können.

Darauf aufbauend können sie schließlich bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützt werden.

Arten der Unterstützung für Selbstvertreter*innen

Für den Aufbau von Selbstvertretungsstrukturen bedeutet Empowerment, dass Fachkräfte Selbstvertreter*innen in alle Phasen der Projektarbeit einbeziehen. Von Beginn an sollten sie bei der Konzeption, Implementierung und Evaluation dabei sein und Entscheidungen mittreffen. Schließlich orientieren sich an ihren Interessen und Bedürfnissen die Unterstützungsangebote. Daher sollten sie gemeinsam mit Selbstvertreter*innen ausgestaltet werden.

Unterstützungsangebote können folgende Aspekte umfassen:

  • Unterstützung bei der Organisation wie zum Beispiel notwendiger Ressourcen (barrierefreie Räumlichkeiten, Assistenz und Sprachmittler*innen)
  • Unterstützung bei der Formulierung kollektiver Interessen und Anliegen, zum Beispiel die methodische Aufbereitung von Treffen, um Interessensschwerpunkte zu definieren
  • Durchführung von Schulungen und Fortbildungen zu gesellschaftlicher und politischer Teilhabe und zu Selbstvertretung, zum Beispiel zu Kommunikations- und Medienkompetenzen
  • Schaffen von Zugängen zu Politik, Verwaltung, Fachdiensten, Migrant*innenselbstorganisationen und Selbsthilfegruppen
  • Unterstützung bei der Organisationsentwicklung und Konsolidierung neu entstandener Selbstvertretungsstrukturen, zum Beispiel gemeinsame Konzeptentwicklung zur strukturellen und finanziellen Konsolidierung und Beantragung von Mitteln für eine Anschlussfinanzierung beim BMAS und/oder bei den gesetzlichen Krankenkassen

4. Checkliste: Aufbau von Strukturen der Selbstvertretung Geflüchteter mit Behinderung und deren Angehöriger

Nach wie vor treffen Menschen mit Behinderung auf zahlreiche Zugangsbarrieren, die sie an einem selbstbestimmten Leben hindern. In besonderer Weise trifft dies auf Geflüchtete mit Behinderung zu, weil sie in einer aufenthaltsrechtlich prekären Situation sind. Damit sie Teilhabe erlangen können, brauchen sie

  • Wissen über ihre Rechte,
  • Unterstützungsstrukturen,
  • Beteiligungs- und Selbstvertretungsmöglichkeiten,
  • die Fähigkeit, Beteiligung und Selbstvertretung einzufordern.

Auf folgende Fragen möchte die Checkliste einige Antworten geben:

  • Welche Vorkehrungen fördern die Beteiligung von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen?
  • Welche sind angemessen?
  • Wie können Veranstaltungen und Treffen barrierefrei/-arm gestaltet werden?
  • Wie kann man Geflüchtete mit Behinderung unterstützen, ihre kollektiven Anliegen und Interessen zu formulieren?
  • Welche didaktischen Methoden und digitalen Tools sind hilfreich für die Begleitung durch Fachkräfte und die Zusammenarbeit in der Gruppe?

Die Checkliste beantwortet diese Fragen in aller Kürze und entlang der Themen, die für die Praxis von Empowerment Now relevant sind.

→ HIER kann die Checkliste als PDF heruntergeladen werden.

Die Selbstvertreter*innen des Projektes Empowerment Now mit dem Empowerment-Now-Team von Handicap International.

Checkliste:

Kontaktaufbau und Erstansprache

  • Bei der Identifikation möglicher Selbstvertreter*innen ist die Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen der Flüchtlings- und Behindertenhilfe, Migrant*innenselbstorganisationen, Multiplikator*innen sowie Selbsthilfestrukturen hilfreich. Darüber hinaus sind soziale Netzwerke, zum Beispiel Facebookgruppen, bei der Identifizierung und Kontaktaufnahme förderlich. Voraussetzung dafür ist herkunftssprachliche und -kulturelle Expertise im Projekt.
  • Eine ausführliche, muttersprachliche und im besten Fall persönliche Ansprache erwies sich bei der Kontaktaufnahme als vielversprechendster Weg. Die Verbreitung schriftlicher Informationen, zum Beispiel Projektflyern, kann zusätzlich eingesetzt werden. Printmaterialien sprechen aber in der Regel nur einen kleineren Kreis an.
  • Nachdem erste Selbstvertreter*innen sich in einer Gruppe zusammengeschlossen haben, bietet ein Vorstellungsvideo über Aktivitäten und Ziele der Gruppe ebenfalls eine gute Möglichkeit, um weitere Selbstvertreter*innen anzusprechen und zu einer Mitarbeit zu motivieren. Potenzielle Selbstvertreter*innen bekommen auf diesem Weg einen direkten Einblick, wer sich in der Gruppe bereits engagiert und wofür sich die Gruppe stark macht. Zudem können Videoclips leicht über soziale Netzwerke verbreitet werden und sind durch das Einfügen von Untertitelungen auch mehrsprachig verfügbar.
  • Bereits in Erstgesprächen gilt es, gegenseitige Erwartungshaltungen zu klären und offen zu kommunizieren, was vonseiten des Projektträgers beziehungsweise der jeweiligen Einrichtung geleistet werden kann und was nicht. Im Kontext von Selbstvertretung sollte auch die Relevanz von Eigeninitiative betont und hervorgehoben werden, dass Eigenengagement nötig ist, um für sich selbst und andere etwas zu bewirken.

Individueller Unterstützungsbedarf

  • Prinzipiell ist es wünschenswert, alle Geflüchtete mit Behinderung und deren Angehörige, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus und ihrer Aufenthaltsdauer zu erreichen und partizipativ in Projektaktivitäten einzubinden. Erfahrungen aus der Praxis zeigen jedoch, dass Angebote im Bereich der Selbstvertretung vor allem diejenigen anspricht, deren erste existenzielle Bedürfnisse nach Sicherheit und Versorgung bereits gestillt werden konnten. Menschen, die sich noch im Asylverfahren befinden und in Sammelunterkünften leben, verfügen in der Regel noch über weniger Kapazitäten, sich im Bereich der kollektiven Interessensvertretung zu engagieren. Hier stehen individuelle Bedürfnisse, zum Beispiel die Klärung des Aufenthaltsstatus, stärker im Vordergrund.
  • Eine wiederholt auftretende Herausforderung kann der Umgang mit Anfragen nach individueller Hilfestellung und Einzelfallbetreuung darstellen, insbesondere, wenn Projekte keine spezifischen Ressourcen für Beratungsprozesse von Einzelpersonen bereithalten. Hier ist die Zusammenarbeit mit Bestandskontakten aus Netzwerken und Kooperationspartner*innen gefragt, um bei der Navigation von Einzelpersonen in das Hilfesystem zu unterstützen. Auch diese Form der Verweisberatung und Vernetzung benötigt entsprechende Ressourcen, die es daher einzuplanen gilt.

Allgemeine Vorkehrungen und Barrierefreiheit

  • Die aktive Teilnahme an Aktivitäten setzt voraus, dass alle Maßnahmen unabhängig von der Beeinträchtigung für Menschen mit Behinderung und Fluchtgeschichte barrierefrei und zugänglich sind. Dies kann die folgenden Vorkehrungen implizieren: Begleitung durch eine Assistenzperson, Einsatz von Sprachmittlung, Gebärdensprache, Kinderbetreuung, kostenfreie Angebote und Übernahme von Reisekosten, barrierefreie Tagungshäuser sowie die Verwendung niedrigschwelliger und barrierearmer (Online-)Tools.
  • Gleich zu Beginn sollte in Rücksprache mit allen Selbstvertreter*innen gemeinsam besprochen werden, welche Kommunikationskanäle für die Zusammenarbeit gewählt werden (zum Beispiel Anrufe, Sprachnachrichten oder E-Mails) und auch Informationen darüber eingeholt werden, welche Kommunikationstools und -zugänge vorhanden sind (zum Beispiel Handy, Computer, Internetzugang) und ob diese barrierefrei zu handeln sind oder Unterstützungsbedarf vorliegt (zum Beispiel Einrichtung von Screenreadern).

Organisation und Durchführung von digitalen Selbstvertretungstreffen

  • Digitales partizipatives Arbeiten mit der Zielgruppe erfordert, analoge Formate methodisch anzupassen. Fortbildungen zur Anwendung barrierearmer und partizipativer Onlinetools sind daher zu empfehlen.
  • Generell braucht es Onlineformate, die barrierearm und mit dem Handy zugänglich sind und für die es keinen E-Mail-Account benötigt. Trotz aller Bedenken bezüglich des Datenschutzes hat sich Zoom hierbei in der Praxis bislang am besten bewährt.
  • Es gilt zu berücksichtigen, dass die Aufmerksamkeitsspanne digital deutlich kürzer ist als bei analogen Treffen. Digitale Formate können darüber hinaus Teile der Zielgruppe schnell überfordern. Im Rahmen von Einzelgesprächen sollte das Einwählen daher gemeinsam erprobt werden. Auch während der Treffen sollte es feste Ansprechpartner*in geben, die bei Unterstützungsbedarf kontaktiert werden kann und muttersprachlich berät.
  • Sprachenvielfalt in der Gruppe kann dazu führen, dass der Austausch durch lange Übersetzungsschleifen von allen Teilnehmenden ein hohes Maß an Geduld erfordert. Hier sind Simultanübersetzungen für einzelne Selbstvertreter*innen und Kleingruppenarbeit in Break-out-Groups sinnvoll.
  • Bei allen Treffen sollte stets ausreichend Raum für offenen Austausch und Diskussion gegeben sein. Gemeinsame Reflexions- und Feedbackrunden am Ende eines jeden Treffens ermöglichen bedarfs- und interessensgerechte Anpassungen der Treffen.
  • Frühzeitiges Erinnern an Termine sowie persönlich und mündlich ausgesprochene Einladungen fruchten in der Regel besser als das Versenden schriftlich und allgemein gehaltener Einladungen.
Die Mehrheit der Selbstvertreter*innen nutzt für digitale Treffen das Mobiltelefon. Onlinemeetingtools sollten daher mit dem Mobiltelefon gut zugänglich und leicht handhabbar sein.
Im Kontext der Coronapandemie             fanden die Selbstvertretungstreffen im Jahr 2020 überwiegend digital statt.

Kontaktaufbau und Erstansprache

  • Nach einem ersten Treffen, das zum gegenseitigen Kennenlernen und Austausch über individuelle Erfahrungen mit dem Hilfesystem und zum Darlegen der persönlichen Motivationen dienen kann, ist es bei den kommenden Treffen wichtig, dass sich die Gruppe genügend Zeit für die gemeinsame Erarbeitung einer Vision und eines Aktionsplans nimmt.
  • Kreative Leitfragen und fantasiegenierende Bilder – entlang der Methode der Zukunftswerkstatt – laden dazu ein, Wünsche, Träume und Ziele der Gruppe zu benennen und festzuhalten. In weiteren Phasen können nun Punkte einer gemeinsamen Gruppenvision sowie ein Aktionsplan mit konkreten Aktivitäten erarbeitet werden. Je nach Gruppengröße kann es sinnvoll sein, sich zunächst in Kleingruppen auszutauschen, bevor die Ergebnisse mit der gesamten Gruppe geteilt und diskutiert werden.
  • Das gemeinsame Erarbeiten konkreter Projektideen und deren Umsetzung kann in Anbetracht unterschiedlicher Interessensschwerpunkte auch entlang von Arbeitsgruppen erfolgen.
  • Ergebnisse und Diskussionsinhalte sollten jeweils kurz und knapp zusammengefasst werden und allen Gruppenmitgliedern nach den Treffen in der jeweiligen Muttersprache zur Verfügung gestellt werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das gewählte Format für alle zugänglich ist (zum Beispiel mit einem barrierefreien PDF oder dem Onlinekollaborationstool Padlet).
Gruppenarbeit im Rahmen eines regionalen Selbstvertretungstreffens in Köln im September 2020.
Bundesweites Selbstvertretungstreffen in Berlin im Oktober 2020.

Vielfalt und Mehrsprachigkeit

  • In der Praxis zeigt sich, dass es sinnvoll sein kann, Selbstvertretungsgruppen differenzierter zu betrachten und angepasste Formate der Ansprache, Netzwerkarbeit und Aktivitäten zu entwickeln, wie zum Beispiel digitalaffin, nach Herkunftssprache sowie nach Behinderung (zum Beispiel die Schaffung niedrigschwelliger Angebote für Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung).
  • Es kann den Zusammenhalt und das solidarische Miteinander der Gruppe stärken, wenn Selbstvertreter*innen während der Treffen gewisse Abschnitte für andere Gruppenmitglieder übersetzen oder Teile der Moderation übernehmen. Zugleich wird durch die aktive Rolle dem*der jeweiligen Selbstvertreter*innen die angemessene Anerkennung der eigenen Ressourcen und Fähigkeiten vermittelt. Auch bei der Gründung von Chatgruppen können Gruppenmitglieder motiviert werden, bei der Übersetzung behilflich zu sein oder konkrete Verantwortlichkeiten zu übernehmen.
  • Falls auf externe Sprachmittler*innen zurückgegriffen wird, sollte es sich aufgrund sensibler Inhalte und der damit einhergehend notwendigen Vertrauensbasis, die für eine gute Zusammenarbeit unerlässlich ist, möglichst stets um die gleiche Person handeln. Sie sollte in behinderungs- und kultursensibler Sprache geschult sein oder vom Projektteam geschult werden.

Ein besonderes Projekt: Die Selbsvertreter*innen von Empowerment Now stellen sich vor

Selbstvertretung lebt von Mitbestimmung und Diversität. Bei den engagierten Selbstvertreter*innen unseres bundesweiten Netzwerks von Empowerment Now spiegelt sich dabei echte Vielfalt wider. Denn es sind gerade die vielfältigen Fähigkeiten, Kompetenzen, Blickwinkel, Erfahrungen und Ideen, die unsere Zusammenarbeit bereichern. Jede*r ist bei uns willkommen, jede*r kann sich einbringen.

Was treibt unsere Selbstvertreter*innen an? Welche Themen sind ihnen besonders wichtig? Hier stellen sie sich vor.

Projektflyer in verschiedenen Sprachen
zum Projekt Empowerment Now

Der Flyer ist barrierefrei und auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi sowie Kurdisch verfügbar.

Erste Schritte zum Aufbau einer Selbsthilfestruktur von geflüchteten Menschen mit Behinderung für geflüchtete Menschen mit Behinderung

Sie beraten geflüchtete Menschen mit Behinderung – und Sie selbst, die Betroffenen oder Ihre Organisation möchten eine Selbsthilfegruppe gründen? Bei einem solchen Vorhaben ist anfangs Unterstützung nötig, da sich die Betroffenen mit den Strukturen in Deutschland noch nicht auskennen. Welche sind Ihre ersten Schritte, und was sollten Sie dabei beachten? 

Crossroads hat eine Checkliste mit Fragen und Hinweisen zusammengestellt, die Ihnen eine erste Orientierung bietet. Sie ist noch unvollständig, denn Crossroads gewinnt weiterhin Erfahrungen durch das Empowerment Now-Projekt und vervollständigt die Checkliste nach und nach.

Selbsthilfeangebote für geflüchtete Menschen mit Behinderung

MINA – Leben in Vielfalt e. V.

Der Berliner Verein MINA – Leben in Vielfalt fördert und berät Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund und bietet unter anderem Selbsthilfegruppen, Sportaktivitäten und Teilhabeberatung. MINA wurde von türkischstämmigen Angehörigen von Kindern mit Behinderung als Selbsthilfeinitiative gegründet: http://mina-berlin.eu/

 

InterAktiv

Der Berliner Verein InterAktiv bietet Beratung, Unterstützung, Selbsthilfe, Kulturveranstaltungen und Freizeitgestaltung für Menschen mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Zuwanderungs- und/oder Fluchtgeschichte an. InterAktiv wurde von türkischstämmigen Angehörigen von Kindern mit Behinderung gegründet: https://www.interaktiv-berlin.de/

 

Interkulturelle Beratungsstelle der Lebenshilfe in Berlin

Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund, ihre Angehörigen und Familien finden Unterstützung bei der Interkulturellen Beratungsstelle der Lebenshilfe in Berlin-Neukölln. Die Mitarbeiter*innen sprechen Türkisch, Arabisch, Englisch, Polnisch und Spanisch. Sie beraten zu Unterstützungsangeboten, bieten Selbsthilfegruppen an und vernetzen wichtige Kooperationspartner*innen in Berlin: https://www.lebenshilfe-berlin.de/de/beratung/interkulturelle-beratung/index.php

 

Lebenshilfe Hamburg​

Bei der Lebenshilfe Hamburg können Migrant*innen und Geflüchtete mit Behinderung eine Selbsthilfegruppe besuchen, die sich zum regelmäßigen Austausch trifft: https://lhhh.de/2020/01/31/selbsthilfe-fuer-migrantinnen-und-gefluechtete-mit-behinderung/

Weiterführende Links

Handbuch Empowerment

Diese Internetseite erklärt, was Empowerment bedeutet und bietet praxisorientierte Materialien: http://www.handbuch-empowerment.de/index.php

 

Informationen zum Thema Ehrenamt für geflüchtete Menschen

Anregungen und Ideen, wie geflüchtete Menschen selbst ehrenamtlich aktiv werden können und was dabei zu beachten ist: https://fluechtlingshelfer.info/fuer-fluechtlinge/detail-fluechtlinge/mitwirkung-statt-bevormundung-mitarbeit-von-fluechtlingen-im-ehrenamt

 

Grundlagen zum Thema Empowerment

Theoretische Grundlagen, methodische Instrumente und Hinweise zur praktischen Anwendung von Empowerment-​Ideen: https://www.empowerment.de/grundlagen/

 

Peer Counselling

Einführung in Peer Counseling und Peer Learning in der Praxis: https://www.ueberaus.de/wws/peer-counseling.php

 

Selbsthilfe interkulturell

Auf dieser Seite wird für eine gute Kommunikation mit Menschen mit Migrationshintergrund sensibilisiert, es werden geeignete Methoden und Strategien für deren Einbindung aufgezeigt und Impulse für die Gründung von Selbsthilfegruppen geliefert: https://www.bag-selbsthilfe.de/informationsportal-selbsthilfe-aktive/selbsthilfe-interkulturell/

 

Kultursensible Selbsthilfe

Das Projekt Kultursensible Selbsthilfe der Lebenshilfe Hamburg e. V. bietet unter anderem kultursensible Selbsthilfeangebote für Menschen mit Flucht- beziehungsweise Migrationserfahrung und Behinderung in Hamburg an. Die Auswertung beinhaltet Erfahrungen aus dem Projekt sowie Handlungsempfehlungen für die weitere Arbeit: https://lhhh.de/2021/02/10/5642/

Ihr Feedback ist uns wichtig