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Der Inhalt dieser Website wird zeitnah an die gesetzlichen Änderungen durch das sog. Rückführungsverbesserungsgesetz angepasst, das am 27.02.2024 in Kraft getreten ist. Eine Übersicht einiger Änderungen finden Sie hier.

Empowerment von Geflüchteten mit Behinderung

Einleitung: Empowerment von Geflüchteten mit Behinderung

Geflüchtete Menschen mit Behinderung zu befähigen, sich und ihre Interessen angemessen zu vertreten, ist ein zentrales Anliegen von Handicap International. Dieses Kapitel enthält ein umfangreiches Paket mit Anleitungen, Begriffsdefinitionen und Initiativen zu Selbsthilfe und Selbstvertretung. Außerdem stellt es die Praxiserfahrungen von Empowerment Now vor – ein im deutschen Sprachraum einzigartiges Projekt von Handicap International zur Selbstermächtigung von Geflüchteten mit Behinderung.

Video: "Inklusion bedeutet für mich ...!"

Inklusion ist oft ein abstraktes Konstrukt – deshalb erzählen die Selbstvertreter*innen von Empowerment Now in diesem kurzen und bewegenden Video, was Inklusion für sie heißt:

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FAQ Selbsthilfe, Empowerment und Selbstvertretung

Begriffserklärung Selbsthilfe, Selbstvertretung und Empowerment

Die Begriffe „Selbsthilfe“, „Selbstvertretung“ und „Empowerment“ werden manchmal synonym verwendet, ihre ist Bedeutung jedoch unterschiedlich.

1. Empowerment Now – Selbstvertretung von Geflüchteten mit Behinderung

Das Ziel des Projektes Empowerment Now ist der Aufbau und die Konsolidierung eines Netzwerks von Selbstvertretungen geflüchteter Menschen mit Behinderung und ihrer Angehörigen. Empowerment Now ist ein Teilprojekt von Crossroads | Flucht. Migration. Behinderung. Dazu gehört:

  • die Organisation regionaler und überregionaler Netzwerktreffen
  • die Entwicklung von Projekten zur Stärkung der Selbstbestimmung und Mitsprache
  • die Schulung von Selbstvertreter*innen in Seminaren und Workshops, damit sie sich als Expert*innen in eigener Sache für ihre Interessen einsetzen können – vor Ort, aber auch bundesweit

Empowerment Now ist seit 2020 aktiv. Mittel der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration sowie seit 2022 auch der UNO Flüchtlingshilfe unterstützen das Projekt finanziell.

Die vielfältigen Erfahrungen, die die beteiligten Selbstvertreter*innen und das Projektteam seitdem gemacht haben, sind in der vorliegenden Handreichung zusammengeführt. Die Handreichung ist dabei nicht nur eine Reflexion und Auswertung des bisherigen Projektgeschehens, sondern sie enthält zugleich handlungspraktische Empfehlungen für den Aufbau einer Selbstvertretungsgruppe und deren Begleitung.

 

→ Hier gelangen Sie zur digitalen Handreichung mit Blätterfunktion.

→ Hier können Sie das barrierefreie PDF der Handreichung herunterladen.

2. Wozu eine Handreichung

Crossroads möchte die Erfahrungen aus Empowerment-Maßnahmen mit solchen Einrichtungen teilen, die an der Schnittstelle von Flucht und Behinderung arbeiten. Wir möchten damit für Zugangsbarrieren sensibilisieren, mit denen Geflüchtete mit Behinderung jeden Tag aufs Neue konfrontiert sind, und dazu motivieren, diese Barrieren abzubauen. Die Handreichung ist für die Einrichtungen eine erste Orientierung in der Frage: Welche Rahmenbedingungen und Herausforderungen müssen Beratende bei Empowerment-Maßnahmen mitdenken, damit sie

  • die Beteiligung und Einbindung von Geflüchteten mit Behinderung und ihre Angehörigen in ihrer Arbeit stärker verankern und
  • Geflüchtete mit Behinderung und ihre Angehörigen beim Aufbau von Selbstvertretungsstrukturen unterstützen können.

Die Handreichung ist die vorläufige Auswertung und Reflexion der Projekterfahrungen. Sie bildet den Erkenntnisstand der ersten beiden Projektjahre 2020 und 2021 ab.

Im Frühjahr 2020 hat die Corona-Pandemie begonnen, deshalb stammen die beschriebenen Erfahrungen überwiegend aus digital angepassten Formaten.

3. Zugrunde liegende Annahmen

Partizipation als Voraussetzung für  Inklusion

Das Leitbild der UN-Behindertenrechtskonvention ist Inklusion. Inklusion ist ein Prozess, durch den uns gelebte Vielfalt selbstverständlich werden soll – auch im Hinblick auf Behinderung. Alle Menschen sollen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können.

„Nichts über uns ohne uns!“ – das ist ein Grundsatz der UN-Behindertenrechtskonvention. Menschen mit Behinderung müssen konsequent in alle Entscheidungen und Prozesse, die mit der Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention einhergehen, eingebunden werden. Wie weitreichend sie die Entscheidungen und Prozesse beeinflussen können, entscheidet darüber, ob Menschen mit Behinderung echte Partizipation oder lediglich eine „Beteiligung light“ erleben werden. Nur wenn Mitwirkende einen Prozess und sein Ergebnis beeinflussen können, wenn ihre Meinung in den Entscheidungsprozess einfließt, können wir von echter Partizipation sprechen.

Empowerment zur Stärkung individueller und kollektiver Prozesse der Selbstbestimmung

Empowerment ist ein Kontinuum, das sich zwischen zwei Ebenen bewegt. Die erste ist das Empowerment im Sinne eines individuellen Prozesses hin zu Selbstermächtigung und -bestimmung, die beide Voraussetzung für gesellschaftliche und politische Teilhabe sind. Die zweite Ebene ist das Empowerment im Sinne einer kollektiven und öffentlichen Repräsentation und Interessensvertretung. Dabei geht es um:

  • gesellschaftliche und politische Anerkennung
  • Interessenvertretung
  • den Aufbau von Wissen und Fähigkeiten, um individuelle Erfahrungen in eine kollektive und öffentliche Repräsentation zu übertragen

Zweifelsohne ist für Fachkräfte der Behinderten- und Flüchtlingshilfe der Auftrag des Empowerments damit verbunden, paternalistische Verhaltensmuster und Einstellungen zu reflektieren und abzulegen. Ihnen nämlich liegt die Auffassung zugrunde, dass Fachkräfte besser als Betroffene wissen, was für Betroffene gut ist; schließlich hätten die Fachkräfte eine berufliche Qualifikation. Dagegen ist das Empowerment ein Weg, herauszufinden,

  • was Menschen erreichen wollen und
  • wie sie bei der Zielerreichung unterstützt werden können.

Darauf aufbauend können sie schließlich bei der Umsetzung ihrer Ziele unterstützt werden.

Arten der Unterstützung für Selbstvertreter*innen

Für den Aufbau von Selbstvertretungsstrukturen bedeutet Empowerment, dass Fachkräfte Selbstvertreter*innen in alle Phasen der Projektarbeit einbeziehen. Von Beginn an sollten sie bei der Konzeption, Implementierung und Evaluation dabei sein und Entscheidungen mittreffen. Schließlich orientieren sich an ihren Interessen und Bedürfnissen die Unterstützungsangebote. Daher sollten sie gemeinsam mit Selbstvertreter*innen ausgestaltet werden.

Unterstützungsangebote können folgende Aspekte umfassen:

  • Unterstützung bei der Organisation wie zum Beispiel notwendiger Ressourcen (barrierefreie Räumlichkeiten, Assistenz und Sprachmittler*innen)
  • Unterstützung bei der Formulierung kollektiver Interessen und Anliegen, zum Beispiel die methodische Aufbereitung von Treffen, um Interessensschwerpunkte zu definieren
  • Durchführung von Schulungen und Fortbildungen zu gesellschaftlicher und politischer Teilhabe und zu Selbstvertretung, zum Beispiel zu Kommunikations- und Medienkompetenzen
  • Schaffen von Zugängen zu Politik, Verwaltung, Fachdiensten, Migrant*innenselbstorganisationen und Selbsthilfegruppen
  • Unterstützung bei der Organisationsentwicklung und Konsolidierung neu entstandener Selbstvertretungsstrukturen, zum Beispiel gemeinsame Konzeptentwicklung zur strukturellen und finanziellen Konsolidierung und Beantragung von Mitteln für eine Anschlussfinanzierung beim BMAS und/oder bei den gesetzlichen Krankenkassen

4. Handlungspraktische  Empfehlungen

Nach wie vor treffen Menschen mit Behinderung auf zahlreiche Zugangsbarrieren, die sie an einem selbstbestimmten Leben hindern. In besonderer Weise trifft dies auf Geflüchtete mit Behinderung zu, weil sie in einer aufenthaltsrechtlich prekären Situation sind. Damit sie Teilhabe erlangen können, brauchen sie

  • Wissen über ihre Rechte,
  • Unterstützungsstrukturen,
  • Beteiligungs- und Selbstvertretungsmöglichkeiten,
  • die Fähigkeit, Beteiligung und Selbstvertretung einzufordern.

Neben der Reflexion der bisherigen Projekterfahrungen möchte die Handreichung daher auch auf die folgenden Fragen einige Antworten geben:

  • Welche Vorkehrungen fördern die Beteiligung von Menschen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen?
  • Welche sind angemessen?
  • Wie können Veranstaltungen und Treffen barrierefrei/-arm gestaltet werden?
  • Wie kann man Geflüchtete mit Behinderung unterstützen, ihre kollektiven Anliegen und Interessen zu formulieren?
  • Welche didaktischen Methoden und digitalen Tools sind hilfreich für die Begleitung durch Fachkräfte und die Zusammenarbeit in der Gruppe?

Die Handreichung beantwortet diese Fragen im letzten Kapitel und entlang der Themen, die für die Praxis von Empowerment Now relevant sind.

 

Die Selbstvertreter*innen des Projektes Empowerment Now mit dem Empowerment-Now-Team von Handicap International.
Die Mehrheit der Selbstvertreter*innen nutzt für digitale Treffen das Mobiltelefon. Onlinemeetingtools sollten daher mit dem Mobiltelefon gut zugänglich und leicht handhabbar sein.
Im Kontext der Coronapandemie             fanden die Selbstvertretungstreffen im Jahr 2020 überwiegend digital statt.
Gruppenarbeit im Rahmen eines regionalen Selbstvertretungstreffens in Köln im September 2020.
Bundesweites Selbstvertretungstreffen in Berlin im Oktober 2020.

Ein besonderes Projekt: Die Selbsvertreter*innen von Empowerment Now stellen sich vor

Selbstvertretung lebt von Mitbestimmung und Diversität. Bei den engagierten Selbstvertreter*innen unseres bundesweiten Netzwerks von Empowerment Now spiegelt sich dabei echte Vielfalt wider. Denn es sind gerade die vielfältigen Fähigkeiten, Kompetenzen, Blickwinkel, Erfahrungen und Ideen, die unsere Zusammenarbeit bereichern. Jede*r ist bei uns willkommen, jede*r kann sich einbringen.

Was treibt die Selbstvertreter*innen an? Welche Themen sind ihnen besonders wichtig? Hier stellen sie sich vor.

Projektflyer in verschiedenen Sprachen
zum Projekt Empowerment Now

Der Flyer ist barrierefrei und auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Farsi sowie Kurdisch verfügbar.

Erste Schritte zum Aufbau einer Selbsthilfestruktur von geflüchteten Menschen mit Behinderung für geflüchtete Menschen mit Behinderung

Sie beraten geflüchtete Menschen mit Behinderung – und Sie selbst, die Betroffenen oder Ihre Organisation möchten eine Selbsthilfegruppe gründen? Bei einem solchen Vorhaben ist anfangs Unterstützung nötig, da sich die Betroffenen mit den Strukturen in Deutschland noch nicht auskennen. Welche sind Ihre ersten Schritte, und was sollten Sie dabei beachten? 

Crossroads hat eine Checkliste mit Fragen und Hinweisen zusammengestellt, die Ihnen eine erste Orientierung bietet. Sie ist noch unvollständig, denn Crossroads gewinnt weiterhin Erfahrungen durch das Empowerment Now-Projekt und vervollständigt die Checkliste nach und nach.

Selbsthilfeangebote für geflüchtete Menschen mit Behinderung

MINA – Leben in Vielfalt e. V.

Der Berliner Verein MINA – Leben in Vielfalt fördert und berät Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund und bietet unter anderem Selbsthilfegruppen, Sportaktivitäten und Teilhabeberatung. MINA wurde von türkischstämmigen Angehörigen von Kindern mit Behinderung als Selbsthilfeinitiative gegründet: http://mina-berlin.eu/

 

InterAktiv

Der Berliner Verein InterAktiv bietet Beratung, Unterstützung, Selbsthilfe, Kulturveranstaltungen und Freizeitgestaltung für Menschen mit und ohne Behinderung sowie mit und ohne Zuwanderungs- und/oder Fluchtgeschichte an. InterAktiv wurde von türkischstämmigen Angehörigen von Kindern mit Behinderung gegründet: https://www.interaktiv-berlin.de/

 

Interkulturelle Beratungsstelle der Lebenshilfe in Berlin

Menschen mit Behinderung und Migrationshintergrund, ihre Angehörigen und Familien finden Unterstützung bei der Interkulturellen Beratungsstelle der Lebenshilfe in Berlin-Neukölln. Die Mitarbeiter*innen sprechen Türkisch, Arabisch, Englisch, Polnisch und Spanisch. Sie beraten zu Unterstützungsangeboten, bieten Selbsthilfegruppen an und vernetzen wichtige Kooperationspartner*innen in Berlin: https://www.lebenshilfe-berlin.de/de/beratung/interkulturelle-beratung/index.php

 

Lebenshilfe Hamburg​

Bei der Lebenshilfe Hamburg können Migrant*innen und Geflüchtete mit Behinderung eine Selbsthilfegruppe besuchen, die sich zum regelmäßigen Austausch trifft: https://lhhh.de/2020/01/31/selbsthilfe-fuer-migrantinnen-und-gefluechtete-mit-behinderung/

Weiterführende Links

Handbuch Empowerment

Diese Internetseite erklärt, was Empowerment bedeutet und bietet praxisorientierte Materialien: http://www.handbuch-empowerment.de/index.php

 

Informationen zum Thema Ehrenamt für geflüchtete Menschen

Anregungen und Ideen, wie geflüchtete Menschen selbst ehrenamtlich aktiv werden können und was dabei zu beachten ist: https://fluechtlingshelfer.info/fuer-fluechtlinge/detail-fluechtlinge/mitwirkung-statt-bevormundung-mitarbeit-von-fluechtlingen-im-ehrenamt

 

Grundlagen zum Thema Empowerment

Theoretische Grundlagen, methodische Instrumente und Hinweise zur praktischen Anwendung von Empowerment-​Ideen: https://www.empowerment.de/grundlagen/

 

Peer Counselling

Einführung in Peer Counseling und Peer Learning in der Praxis: https://www.ueberaus.de/wws/peer-counseling.php

 

Selbsthilfe interkulturell

Auf dieser Seite wird für eine gute Kommunikation mit Menschen mit Migrationshintergrund sensibilisiert, es werden geeignete Methoden und Strategien für deren Einbindung aufgezeigt und Impulse für die Gründung von Selbsthilfegruppen geliefert: https://www.bag-selbsthilfe.de/informationsportal-selbsthilfe-aktive/selbsthilfe-interkulturell/

 

Kultursensible Selbsthilfe

Das Projekt Kultursensible Selbsthilfe der Lebenshilfe Hamburg e. V. bietet unter anderem kultursensible Selbsthilfeangebote für Menschen mit Flucht- beziehungsweise Migrationserfahrung und Behinderung in Hamburg an. Die Auswertung beinhaltet Erfahrungen aus dem Projekt sowie Handlungsempfehlungen für die weitere Arbeit: https://lhhh.de/2021/02/10/5642/

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